oh BOY

„Wir haben auch Sojamilch.“ – „Bitte nicht!“ Einer meiner Lieblingsdialoge aus Oh Boy spielt in einem Café in Berlin-Kreuzberg. Niko Fischer (Tom Schilling) will einfach nur einen Kaffee trinken und ist überfordert von dem, was ihm da angeboten wird. Und natürlich auch vom Preis, zu dem Columbia Morning dann daher kommt. Das kennt man gut in der Hauptstadt, darüber musste man selbst schon mehr als einmal schmunzeln. Und Oh Boy treibt es so wunderbar auf die Spitze, dass dem nichts mehr hinzuzufügen ist außer „Welche Sorte kommt dem normalen Kaffee denn am nächsten?“

Naest hat Oh Boy erst spät entdeckt, gedreht 2010 räumte er 2013 beim Deutschen FIlmpreis sämtliche Auszeichnungen ab, Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester Hauptdarsteller, Beste Nebenrolle, Beste Filmmusik. Und obwohl ich normalerweise nicht viel auf Preise gebe, muss ich sagen: Verdient, verdient, verdient! Eine echte Perle, dieser Film. Leichtfüßig, witzig, nachdenklich. Allein für die Szene, in der Niko sich die Zigarette im Toaster anzündet, ist zum Küssen.

„Kennst du das Gefühl, dass dir die Leute um dich herum merkwürdig erscheinen? Und je länger du darüber nachdenkst, desto klarer wird dir, dass nicht die Leute, sondern du selbst das Problem bist?“ Ja, das kennt wohl nicht nur Niko.

Neben solch wunderbaren Sätzen zeigt das schwarz-weiße Werk von Regisseur Jan Ole Gerster viel Berlin (interessanterweise auch: viele U- und S-Bahnen in Bewegung), vermittelt ein Gefühl vom Leben in dieser Stadt. Von ihren Vorzügen und Angeboten, von ihrer Vielseitigkeit, vom Verzweifeln an Kleinigkeiten, dem alltäglichen Leben und den großen Entscheidungen, von der Wucht der Normalität, die wir dann doch noch an jeder Ecke finden. Wunderschön. Schau ich mir gleich noch mal an. Gibt’s ja zum Glück noch bis Anfang September in der ARD Mediathek.

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