In Kopenhagen

Übers Fahrradfahren schreib’ ich bestimmt, wenn ich in Kopenhagen bin. Sag ich zu mir, noch auf dem Weg. Die Fahrradwege sind so groß, hat die Freundin zum Abschied gesagt, da passt sogar ein Auto drauf. Fahrrad fahren ist das Ding.

Kaum bin ich da, schon seh ich sie. Der Bahnhofsvorplatz, er ist voll davon. In zwei Etagen stapeln sich die Räder hier. Und auch am Weg braust ständig eins an mir vorbei. Doch halt ich Ausschau nach was anderem hier. Sechs Stunden Fahrt, der Magen meldet sich mit Wucht. Schnell rein in die konditori, die Auswahl duftet und ist groß. Mit großen Augen zeig ich wie ein kleines Kind auf das Gerollte mit dem Zimt darin.

Wie etwas widerstehen, das kanelsnegl heißt?

Nur einen Bissen, dann ist der Hunger nicht so groß, denk ich und beiß im Laufen noch hinein. Ganz knusprig außen, innen weich, ein intensiver Zimtgeschmack. Noch einen zweiten, sag ich mir, und später dann den Rest davon. Jetzt läuft mir Karamell über den Mund. Verliebt schau ich das Zimtstück an. Ich will es haben, hier und jetzt. Und schling es auf dem Weg zur Unterkunft mit großen Bissen in mich rein.

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Am nächsten Tag, die Sonne scheint, will ich ein bisschen durch die Stadt. Es ist ganz warm, Fahrräder kreisen rings um mich herum. Ich staune über ihre Vielfalt hier, das eine ist wohl zum Transport, das andere hat einen geflochtenen Korb vorne mit dran. In Türkis, in Harmonie zum schwarzen Rest. Schick sieht das aus, eins leihen könnt ich vielleicht auch. Mein Blick fällt auf die Fahrerin. Sie hält ne Tüte in der Hand, die Hälfte Backwerk steht heraus. Dann beißt sie herzhaft da hinein. Das Fahrrad seh’ ich gar nicht mehr.

Ich kann das kanelsnegl beinah riechen.

Das Frühstück ist nicht lange her, und doch, was essen könnt ich schon. Mein Blick flirrt herum, dann stell ich fest: Das ist die Gegend mit Hotels, einen Bäcker findet man hier nicht so schnell. Doch mit dem klaren Ziel im Kopf, laufe ich los, und renne fast. Die Fahrräder sind trotzdem schneller noch, dreispurig ziehen sie an mir vorbei. Eins leihen wäre vielleicht doch gar keine so dumme Idee.

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Doch während ich noch nachsinniere über die nächste Verleihstation, fällt mein Blick aufs ersehnte Schild, konditori steht klar darauf. Ich geh hinein und bin vernebelt nach nur einem Blick. Das kanelschnegl kommt nicht nur pur, sondern mit Beiwerk oben drauf. Schoko, ob zart, ob herb, meist in der gegossenen Version. Klassisch scheint mir die mit Zucker drauf, als Hagel oder auch als Guss. So viele kanelsnegls, die Auswahl fällt jetzt ganz schön schwer.

Man könnte sie in einem Transportfahrrad mitnehmen, allesamt.

Ein paar Tage später dann, zur Mittagszeit, geh’ ich zum Essen aus dem Haus. Ich hab mir etwas ausgeschaut, ein Deli, das ein jeder lobt. Das Smørrebrød verpassen darf man keinesfalls, so steht es in dem Foodieblog. Ich freu mich schon, lang auf dem Weg, für den ich ganz bestimmt kein Fahrrad brauch’. Römpömpömpöm.

An der Theke steh’ ich dann, etwas orientierungslos. Die Frau ist freundlich und wartet, bis ich mich entschieden hab. Als mein Blick dann fragend ihre Augen trifft, zeigt sie auf etwas, das entfernter steht. They are fantastic, sagt sie überzeugt, my favourites. Ich suche das, worauf ihr Finger zeigt. Und sehe eine Variante von dem Ding, das ich so liebgewonnen hab. Ich nicke kurz und lächle in ihr freundliches Gesicht zurück, versuchen will ich das auf jeden Fall.

Auf das Smørrebrød verzichten? Na, wenn’s fürs kanelsnegl ist!

Am letzten Tag, kurz vor der Abfahrt dann lauf ich noch ein bisschen rum. Will Abschied nehmen von der Zeit. Von Ecken, die mir wohlgesonnen sind. Ein bisschen Proviant kauf ich noch ein, die Zugfahrt ist ja nicht gerade kurz.

Hast du dir für die Zeit hier eigentlich ein Fahrrad geholt, fragt meine Vermieterin, als ich mich auf den Weg zum Bahnhof mache.

Ein Fahrrad nicht, sage ich, aber jeden Tag ein kanelsnegl.

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