Berlin: Schick essen

Die Zahl der richtig guten (und mitunter auch richtig teuren) Restaurants hat in Berlin in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Das zeigt sich nicht zuletzt an der Zahl der mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurants: 20 sind es derzeit in der Hauptstadt. Fünf neue Sternerestaurants sind im vergangenen Jahr dazu gekommen, darunter auch das von Naest empfohlene „Richard“, das etwas versteckt in der Köpenicker Straße in Kreuzberg liegt.

Jedes der folgenden Restaurants passt natürlich auch in eine andere Kategorie – spanisch, deutsch, japanisch. Und wird sich in dieser in Zukunft auch wiederfinden. Doch wer auf der Suche nach einem Ort für einen besonderen Anlass ist, findet hier alle auf einen Blick!

fritz3 Minutes sur Mer: So was wie der kleine Bruder des Sterne-Restaurants Bandol sur Mer. Hier dreht sich, wie der Name schon sagt, alles um Fisch und Meeresfrüchte. Im 3 Minutes sur Mer kann man unter anderem eine hervorragende Fischsuppe mit Sauce Rouille und natürlich wunderbare Austern genießen. Aber auch Fleischfreunde kommen nicht zu kurz – etwa mit Kalbstatar oder Entrecôte.

Torstraße 167, 10115 Berlin (Mitte) // Mo bis Fr von 18 bis 2 Uhr, Sa und So von 10 bis 2 Uhr

crackers01Crackers: In der stylishen Location werden Gerichte angeboten, die man als im besten Sinne klassisch bezeichnen kann. Gute Zutaten, wunderbar zubereitet. Gegrilltes Hähnchen, Kabeljau aus dem Ofen oder Lammchops. Auf der Karte sind aber auch reizvoll-ungewöhnliche Speisen zu finden. Wir hatten einen hervorragenden Felsen-Oktopus mit Zitrusdressing sowie tolle Trüffel, die fein als Carpaccio aufgeschnitten wurden. Beeindruckt war ich auch vom wundervollen Service. Es lohnt sich, nach dem Essen noch auf einen Cocktail an der angeschlossenen Bar zu bleiben – denn auch der Bartender versteht sein Werk.

Friedrichstraße 158, 10117 Berlin // Täglich ab 19 Uhr

dóttirdottir01: Der Weg ins skandinavische Restaurant dóttir lohnt sich nicht nur wegen der gelungenen Einrichtung, sondern ebenfalls wegen der schönen Speisen. Der Fokus liegt hier auf Fisch und dem Thema „Nordic Cuisine“. Die Köche bringen so schöne Dinge wie Sauerampfer-Sorbet, Kapernmayonaise oder Heilbutt-Tatar auf die Tische. Es gibt ein festes Menü und dazu einen aufmerksamen Service.

Mittelstraße 41, 10117 Berlin // Di bis Sa von 18 bis 23.30 Uhr

Eins44herz: Da, wo Neukölln inzwischen das Hipste vom Hipster anbietet, ist das Eins44 zu Hause. Etwas versteckt im zweiten Hinterhof gibt es hier sehr gutes Essen mit sehr guten Zutaten. Der Innenraum überzeugt durch Industriechic, das Essen durch gute Zutaten in schöner Zubereitung. Hier wird das inzwischen weit verbreitete Prinzip der „Zutaten-Karte“ zelebriert. Von Salami-Brokkoli-Koriander-Frischkäse über Stubenküken-Spargel-Erbse-Morchel bis zu Rhabarber-Lakritz-Chiasamen-Himbeere. Eine Warnung: Besser nicht zur Fashion-Week hingehen, da ist das Publikum ziemlich anstrengend.

Elbestraße 28/29, 12046 Berlin (Neukölln) // Di bis Fr von 12.30 bis 14.30 Uhr, Di bis Sa von 19 bis 0 Uhr

industry_standardIndustry Standard: Ich hatte meine Vorurteile gegen das Industry Standard. Die seltsame Reservierungspolitik, der große Hype…trotz meiner Begeisterung für den Schwester-Ort Wild Things (siehe auch Bar-Guide für Berlin) wollte keine rechte Lust aufkommen, hier endlich einzukehren. Mein Glück, dass sich das nun geändert hat. Die Reservierung ist inzwischen unkompliziert, der Service aufmerksam und geduldig, das Publikum weit weniger anstrengend als ich es erwartet hatte. Wie im Wild Things wird auch hier ein Fokus auf Naturweine gelegt. Und nicht zuletzt, natürlich: Das Essen ist phantastisch! Für diese Köstlichkeiten wie das Tartar mit Kartoffelstroh und sauer eingelegten Pilzen, die dünn aufgeschnittenen Kohlrabi und Granny Smith-Äpfel mit Ziegenkäse und Haselnüssen oder den gebeizten Saibling mit Blutorange (alles: kleine Gerichte, die zum Teilen gedacht sind) würde ich jederzeit wiederkommen.  Einziger Minuspunkt: An der Bierauswahl könnten die Betreiber noch arbeiten…

Sonnenallee 83, 12045 Berlin (Neukölln) // Mi bis So von 19 bis 0 Uhr

Katz Orangekatzorange: Dieses wunderschöne Restaurant habe ich im Rahmen einer Sunday Winebar entdeckt, bei der es zu einem fairen Eintrittspreis Jazz und eine Weinprobe gab. Die vorgetesteten Kleinigkeiten waren so gut, dass ein Abendbesuch nicht lange auf sich warten ließ. Die internationale Küche ist wunderbar, das Ambiente ebenso. Hier kann man im Sommer auf der schönen Terrasse im Innenhof und im Winter im kuscheligen Interieur eine gute Zeit haben. Außerdem: Die hervorragende Weinauswahl, von echten Kennern serviert, macht großen Spaß. So wie übrigens auch ein Blick auf die lecker gestaltete Website…

Bergstraße 22, 10115 Berlin (Mitte) // Mo bis So von 18 bis 3.30 Uhr

La Soupe Populairelasoupepopulaire: Der Tim Raue macht sich inzwischen ganz schön breit in der Berliner Restaurantszene. Was aber vielleicht gar nicht so schlecht ist, denn seit der Eröffnung des STUDIO tim raue in der Factory Berlin fühlt es sich ein wenig einfacher an, im La Soupe Populaire einen Tisch zu bekommen. Hier wird klassische deutsche Küche in hervorragender Zubereitung gereicht, dazu eine schöne Weinbegleitung. Das alles in stylischem (trotzdem sehr gemütlichem) und sehr zuvorkommendem Ambiente. Große Empfehlung!

Prenzlauer Alle 242, 10405 Berlin (Mitte) // Do bis Sa 12-14.30 Uhr und 17.30-22.30 Uhr

Lavanderia Vecchialavanderiavecchia01: Sie war lange das heiße Ding, wo jeder hinmusste – und immer noch ist die Lavanderia Vecchia ein schöner und guter Teil der Berliner Restaurantszene. Im schicken Waschhausambiente wird ein festes Menü serviert, das sich am besten mit mehreren Freunden genießen lässt, denn das Essen hat hier was von Familienzusammenkunft. In der laut Selbstbeschreibung „Trattoria mit ländlicher Küche, Weinen und Öl aus dem Land der Sabiner“ gibt es von Antipasti bis Dolce sehr leckeres, reichhaltiges Essen in schöner und ungewöhnlicher Atmosphäre.

Flughafenstraße 46, 12053 Berlin (Neukölln) // Mo bis Sa von 12 bis 14.30 Uhr und von 19.30 bis 23 Uhr

Lode & Stijnlode_stijn: Die Food-Experten schreiben sich die Köpfe heiß über diesen von zwei Holländern betriebenen Laden in Berlin-Kreuzberg. Selten hat man so viel Begeisterung von allen Seiten vernommen, wenn ein neues Restaurant in Berlin eröffnet wurde (und so fast ganz ohne Hipster-Bashing). Gelobt wird das Brot (Handwerk erlernt bei den Experten von Sironi) ebenso wie die köstlichen Bitterballen (außen knusprig frittiert, innen zartes Kalbfleisch) und auch der Rest der saisonalen Küche mit regionalen Zutaten. Auch Naest muss ich der Hymne für das im April 2016 gestartete Lode & Stijn anschließen: Wunderbar essen in netter Atmosphäre mit hervorragenden Getränken wenige Schritte vom Landwehrkanal – was will man mehr? Wer erst mal vortesten will ohne sich auf ein ganzes Menü zu stürzen, dem seien Barbetrieb samt Barfood empfohlen (und sollte unbedingt die Schwertmuscheln mit Knochenmarksauce testen). Ein schöner Test für die Küche, der – so viel sei gewarnt – auf jeden Fall Lust auf mehr macht.

Lausitzer Straße 25, 10999 Berlin // Di bis Sa von 18 bis 22.30 Uhr

Nobelhart & Schmutzignobelhart: „Brutal lokal“ ist Nobelhart & Schmutzig und das heißt: Alle Zutaten kommen aus der Region. Da landet ein Saibling aus der Müritz auf dem Tisch, der Spargel kommt (natürlich) aus Beelitz. Pfeffer, Schokolade, Zitrone sind nicht vorgesehen. Im Zentrum des Restaurants steht die große Küche, um die herum sich die Gäste im gemütlichen Ambiente verteilen und den Köchen bei der Zubereitung zuschauen. Das einheitliche Menü hielt viele Überraschungen bereit – so etwa ein zartes Petersilienwurzeleis oder den schokoladig gerösteten Malz. Jeder Gang ein kleines kulinarisches Erlebnis, jeder Gang liebevoll erklärt. Eine Ausnahme gibt es übrigens bei den Getränken: Der Kaffee stammt aus Ruanda und auch die Weine werden nicht nur innerhalb der Regions- oder Landesgrenzen angebaut. Eine schöne Idee dazu: Man kann eine Flasche Wein mitbringen – doch dafür wird Korkgeld fällig. Wie viel, entscheidet der Sommelier, und hängt davon ab, was er von dem Tropfen hält, den ihr eingeschleust habt.

Friedrichstraße 218, 10969 Berlin (Kreuzberg) // Di bis Sa von 18.30 bis 2 Uhr

panamaPanama: Wahrscheinlich war ich zu abgelenkt vom wunderbaren Essen, um ein Foto zu machen… Im Juni 2016 hat in der Potsdamer Straße in Berlin-Tiergarten das hervorragende Restaurant Panama seine Türen geöffnet. Die kleine Schwester (oder jetzt schon der große Bruder?) vom Restaurant Katz Orange in Berlin-Mitte (siehe weiter oben) serviert regionale Zutaten mit exotischen Elementen mit einem Fokus auf Rohes (für mich das beste Gericht des Abends: Tatar von Richards Reh). Verantwortlich für die hervorragende Küche ist Sophia Rudolph, vormals Sous Chef in der Weinbar Rutz (siehe weiter unten). Auch die Weinkarte ist von Kennern gestaltet, für den Barbetrieb sind Experten verantwortlich, die zuvor im Croco Bleu für kreative Cocktails verantwortlich waren. Kleiner Tipp für Kaffee-Freunde: Keinesfalls den Panamito verpassen, kalter Kaffee mit Zitronenaroma, sanft und köstlich. Übrigens: Der Name ist inspiriert vom Kinderbuch „Oh wie schön ist Panama“ und tatsächlich kommt einem an einem Abend hier öfters mal ein Satz über die Lippen, der mit den Worten „Oh wie schön…“ beginnt.

Potsdamer Straße 91, 10785 Berlin (Tiergarten) // Di bis Sa von 18 bis 23 Uhr

parkerbowlesParker Bowles: Das Restaurant Neu hatte schon viele Fans, 2014 dann haben seine Macher das Parker Bowles im Aufbauhaus am Moritzplatz gestartet. Hier gibt es ein gutes Frühstück, einen überzeugenden Mittagstisch und von Dienstags bis Samstags auch Restaurantbetrieb. Das Schöne ist: Man kann auch im Tapas-Style essen, gleiche Gerichte essen und so mehr probieren. Schöne Weinauswahl. Grundsätzlich ist das Restaurant was für den Winter, da die Einrichtung zwar gemütlich, aber sehr dunkel ist.

Prinzenstraße 85d, 10969 Berlin (Kreuzberg) // Deli Mo bis Sa von 9 bis 18 Uhr, Restaurant Di bis Sa von 18 bis 24 Uhr

Pauly Saalpaulysaal: Im sterneprämierten Restaurant gibt es erst mal viel zu gucken. Die tolle Location in der alten jüdischen Mädchenschule. Die liebevoll eingerichtete Bar mit ihren tollen Drinks (wo man den Abend auf jeden Fall starten sollte). Das stylische Restaurant mit Blick auf die erstaunlich dekorative Rakete. Der schöne Innenhof, in dem man im Sommer speisen kann. Und auch auf den Tellern gibt es Einiges zu sehen – und zu schmecken. Für mich eines der derzeit besten Restaurants in Berlin. Zwischen dem wunderbaren Gruß aus der Küche und dem hervorragenden Nachtisch gab es Einiges zu schmecken und zu bewundern. Ich kann den nächsten Besuch kaum erwarten…auch fürs Gucken natürlich!

Auguststraße 11-13, 10117 Berlin (Mitte) // Di bis Sa von 12 bis 14 Uhr und von 18 bis 21.30 Uhr

richard_karteRichard: Die Location, in der das Restaurant Richard untergebracht ist, hatte schon so einige Vorbesitzer. Die Lage schreit nicht unbedingt „In dieser Gegend musst du essen!“, doch wenn man es einmal in diese etwas dunklere Ecke von Kreuzberg geschafft hat, wird der Weg jedes Mal belohnt. Nicht nur durch die schöne Einrichtung den den freundlichen Service, sondern auch durch das wunderbare Essen. Hier wird Menü mit einer selbst gewählten Zahl von Gängen gegessen – die Speisen sind auf den Punkt zubereitet, schöne Kombinationen, gute Zutaten, immer ein Erlebnis. Auch in der vegetarischen Variante erhältlich.

Köpenicker Straße 174, 10997 Berlin (Kreuzberg) // Di bis Da von 19-0 Uhr

 

Weinbar Rutzweinbarrutz: Im Restaurant der Weinbar Rutz wird alles geboten, was die moderne Küche hergibt von Gelbschwanzmakrele mit gesalzener Pflaume, Miso und rotem Rettich bis Apfel, Backkartoffel, Hefeeis und wildem Sauerampfer. Kein Wunder werden die Speisen hier „Erlebnisse“ genannt. Wer sich langsam herantasten will, sollte in der Weinbar im Erdgeschoss vortesten, wo man einen schönen Abend bei Wollschweinrippchen mit Blaumohn und BBQ-Sauce und Tagliatelle mit Haselnüssen, gratiniertem Ziegenkäse und Thymianhonig sowie natürlich wunderbaren Weinen verbringen kann. Dick im Kalender anstreichen solltet ihr euch auch das alljährlich im Frühjahr stattfindende Biermenü, bei der tolles Essen (so in unserem Fall das Signature Dish, der tolle Saumagen-Burger) mit korrespondierenden Bieren gereicht wird.

Chauseestraße 8, 10115 Berlin // Di bis Sa von 16 bis 23 Uhr

Schweinschwein: Zwischen Wein- und Gin-Tonic-Bar kann man hier hervorragende Getränke und wunderbares Essen genießen. Unkompliziert mit Käse- und/oder Wurst-Schinkenplatte, die intensiv und vielfältig ist, oder als wunderbares Menü. Das Tatar auf knusprigem Brot war hervorragend, das Landhuhn mit Kohl ebenfalls. Endgültig überzeugt aber hat mich der wunderbare Nachtisch – ein Apfeltörtchen mit Dulce di Leche und Haselnüssen. Viel besser habe ich in Berlin selten Dessert gegessen… Wunderbar übrigens auch der Service, der dich schon beim zweiten Besuch wie alte Bekannte begrüßt.

Elisabethkirchstraße 2, 10115 Berlin (Mitte) // Mo bis So von 17 bis 1 Uhr

Zenkichizenkichi_karte: Eigentlich kein großer Freund von Tofu, habe ich im Zenkichi meinen Frieden mit dem geschlossen, was man an anderen Orten der Stadt oft als gummiartigen Fleischersatz vorgesetzt bekommt. Das Zenkichi ist alleine durch seine Einrichtung einzigartig: Man sitzt in kleinen Kabinen, bei denen man – falls man die andere Gäste nicht sehen oder lieber zweisam unterwegs sein mag – die Rollläden hinablassen kann. Das Essen: japanisch, hervorragend. Die „Modern Japanese Brasserie“ bringt wunderbares Ebi-Shinjo Tempura oder Apple-Fed Pork Kakuni auf den Tisch. Unbedingt das Sake-Tasting probieren!

Johannisstraße 20, 10117 Berlin // Mo bis So von 18 bis 0 Uhr

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.